Vier Tage, fast 300km und eine Erkenntnis: Gemeinschaft entsteht nicht immer im Klassenzimmer

Im Rahmen unserer Projektwoche „Form folgt Funktion – 100 Jahre Bauhaus“ machten sich 21 Schülerinnen und Schüler (17 Jungen und 4 Mädchen) gemeinsam mit Frau Neitzke und Herrn Herzog auf den Weg von Weimar nach Dessau – natürlich mit dem Fahrrad.

Dass die Reise nicht ganz nach Plan verlaufen würde, zeigte sich allerdings schon, bevor überhaupt ein Pedal getreten wurde. Zugverspätungen, Zugausfälle und überfüllte Waggons machten aus unserer Reisegruppe kurzerhand drei kleinere Expeditionen. Mit einiger Verspätung, aber vollständig, erreichten wir schließlich Weimar.
Dort begann der inhaltliche Teil unserer Tour. Am Haus am Horn, dem einzigen vollständig realisierten Musterhaus der Bauhaus-Ausstellung von 1923, wurde sichtbar, wie modern die Ideen des Bauhauses damals gewesen sein müssen. Auch die heutige Bauhaus-Universität Weimar erinnert an die Anfänge der berühmten Designschule, die Walter Gropius 1919 aus der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule und Kunstgewerbeschule gründete. Mit diesen Eindrücken im Gepäck begann schließlich der praktische Teil unseres Projekts.
Der erste Tag hatte es direkt in sich. Rund 70 Kilometer bis nach Naumburg wären bei Sonnenschein schon anspruchsvoll gewesen, doch Starkregen und nasskalte Witterung machte daraus eine echte Bewährungsprobe. Es galt sich zu überwinden und einfach weiterzutreten. Zwischendurch gingen einzelne Schüler verloren, jedoch nie dauerhaft, da umgehend jede Anstrengung unternommen wurde den Tross wieder zusammenzuführen. Spätestens an diesem Tag wurde klar, dass eine Fahrradtour mit einer Schulklasse nur funktioniert, wenn alle aufeinander achten. Der Abend brachte zwar trockene Kleidung, aber keine bessere Laune: Das gemeinsam verfolgte verlorene Deutschlandspiel konnte die Stimmung nicht gerade heben.
Am nächsten Morgen schrumpfte unsere Gruppe. Drei Schülerinnen beendeten die Tour vorzeitig. Damit blieb Sophy als einzige Teilnehmerin übrig – und meisterte die restlichen Tage mit bemerkenswerter Ausdauer und noch bemerkenswerterem Willen. Sie radelte die gesamte Strecke bis Dessau und verdiente sich damit den inoffiziellen Titel der „Last Woman Standing“.
Die zweite Etappe führte uns über weitere rund 70 Kilometer nach Halle. Das Wetter spielte langsam mit, die Beine gewöhnten sich an ihre neue Daueraufgabe und auch die Gespräche innerhalb der Gruppe wurden länger. Nach einem gemeinsamen Abendessen in der Innenstadt war deutlich zu spüren, dass aus vielen kleinen Grüppchen langsam eine große Gruppe wurde.
Der dritte Tag sollte der längste werden – und natürlich auch der ereignisreichste. Etwa 100 Kilometer standen auf dem Plan. Da die Fähren zur Flussüberquerung nur selten eingesetzt wurden, waren Umwege nötig, die unsere Ortskenntnisse noch verbessern sollten. Als dann auch noch die Achse eines Fahrrads locker wurde und kurzerhand ein Ersatzrad organisiert werden musste, wurde klar, dass wir erst nach Sonnenuntergang unser Ziel erreichen würden. Dass das Abendessen schließlich wenige Minuten vor Ladenschluss im Edeka besorgt wurde, passte da fast schon ins Bild. Im Umweltzentrum Ronney angekommen, interessierte sich dann auch niemand mehr für die schöne Umgebung – an diesem Tag gewann das Bett jeden Architekturpreis.
Die letzte Etappe nach Dessau fühlte sich fast wie eine Belohnung an. Sonnenschein, entspannte Stimmung und das Wissen, die Tour gemeinsam fast geschafft zu haben, sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre. Was zu Beginn der Woche noch eine Gruppe einzelner Mitschüler gewesen war, hatte sich unterwegs verändert. Die vielen Kilometer, der Regen, die Pannen und die kleinen Krisen hatten uns zusammengeschweißt. Alleingänge waren nun undenkbar und gegenseitige Hilfe selbstverständlich.
Wir sind als Schülergruppe losgefahren und als echtes Team in Dessau angekommen.

Text: Philipp Herzog
Fotos: Kathrin Neitzke


Abschließend noch einige Gedanken unserer Schüler:

„Fazit – Tag 3
Der dritte Tag unserer Fahrradtour hatte es wirklich in sich. Heute sind wir ganze 100 Kilometer gefahren – deutlich mehr als die bisherigen 70 Kilometer pro Tag. Diese zusätzliche Strecke hat uns alle gefordert und einige von uns sind dabei an ihre persönlichen Grenzen gegangen. Nicht nur körperlich, sondern auch mental war dieser Tag für viele eine echte Herausforderung.
Trotz einiger Pannen unterwegs haben wir uns nicht entmutigen lassen. Gemeinsam haben wir jede Schwierigkeit gemeistert und sind immer weitergefahren. Genau das hat gezeigt, wie stark unser Zusammenhalt ist und dass wir uns gegenseitig motivieren und unterstützen.
Am Ende des Tages können wir alle stolz auf uns sein. Jeder hat ohne Ausreden durchgezogen und sein Bestes gegeben. Auch wenn die Anstrengung groß war, kam der Spaß nie zu kurz. Dieser Tag wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben – als der bisher anspruchsvollste, aber gleichzeitig auch einer der schönsten Tage unserer Fahrradtour.“

„Fazit zur Tour
Vier wirklich wunderschöne Tage liegen hinter uns. Diese Fahrradtour von Weimar nach Dessau hat uns gezeigt, was Disziplin wirklich bedeutet und wie wichtig echter Gruppenzusammenhalt ist. Gemeinsam haben wir viel erlebt, gelacht und Erinnerungen geschaffen, die wir nicht so schnell vergessen werden.
Natürlich gab es auch Höhen und Tiefen – das ist bei so einer Tour völlig normal. Während der eine voller Motivation war, hatte jemand anderes vielleicht gerade einen schlechten Moment oder keine große Lust. Doch genau dann zeigte sich unsere Disziplin: weitermachen, sich gegenseitig motivieren und gemeinsam bis ans Ziel durchziehen.
Wir sind dankbar für diese vier Tage, denn sie haben uns viel gelehrt. Die wunderschönen Radwege, die Natur und die vielen Eindrücke haben uns ein kleines Stück von Deutschland nähergebracht. Vor allem aber haben wir als Gruppe bewiesen, was man gemeinsam schaffen kann. Darauf können wir alle unglaublich stolz sein.“